Weinheber-Lesung in Kirchstetten 2017

Karl Tattyrek und Andreas Roder lesen Josef Weinheber

Samstag, 4. November 2017, 16:30 Uhr

Musik: Die Gassenhauer & Manfred Hartl

Festsaal des Gemeindeamts der Marktgemeinde Kirchstetten (NÖ); Eintritt: 12 Euro; Buffet mit Weinkost

Eine Veranstaltung der Marktgemeinde Kirchstetten, des Kulturkreises Kirchstetten und der Josef Weinheber-Gesellschaft

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Der deutschmährische Schriftsteller Franz Spunda – Buchpräsentationen im Oktober 2017

Die Germanisten Herbert Zeman und Oliver Jahraus geben in Verbindung mit der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste (München) die Reihe „Erträge Böhmisch-Mährischer Forschungen“ heraus. Vor kurzem ist Band 11 erschienen: Franz Spunda (1890–1963). Deutschmährischer Schriftsteller, magischer Dichter, Griechenlandpilger. Studien und Texte (LIT Verlag, Wien-Münster, ISBN 978-3-643-50793-8). Wir haben über dieses Buch, das einem Zeitgenossen und partiellen Weggefährten Josef Weinhebers gewidmet ist, berichtet. In diesem Zusammenhang möchten wir Sie nun zu folgenden Terminen herzlich einladen:

 

Donnerstag, 12. Oktober 2017, 19:00 Uhr

Literaturmuseum Grillparzerhaus, Johannesgasse 6, 1010 Wien (freier Eintritt)

Buchpräsentation durch die Herausgeber, Dr. Christoph Fackelmann und em. o. Univ.-Prof. Dr. Herbert Zeman

Der aus Olmütz stammende Dichter Franz Spunda zählte zu den schillernden Protagonisten einer Literatur im Schatten der „transzendentalen Obdachlosigkeit“ zwischen den großen Kriegen. Aus okkultem Interesse erwuchsen die phantastischen Romane seiner Anfangsjahre. In bewusster Absetzung vom goethezeitlichen Griechenland-Bild verbanden seine vielbeachteten Reisebücher realistische Gegenwartserfahrung mit mystischen Versenkungserlebnissen. In seiner historischen Epik bemühte er sich um kulturgeschichtliche Orientierung und spirituelle Erneuerung. Dadurch bezog Spunda einen markanten Ort in der Epoche. Er fesselte als Vermittler virulenter Lebensreformideen und spekulativer kulturmorphologischer Entwürfe. Die daraus abgeleiteten politischen Konsequenzen waren in den 30er Jahren von der Annäherung an den Nationalsozialismus überschattet, die der Autor jedoch später mit entschiedenen Werken der Inneren Emigration wieder zurücknahm.

Das vorgestellte Buch dokumentiert das von der Österreichischen Goethe-Gesellschaft gemeinsam mit dem Institut für Germanistik der Universität Wien veranstaltete literaturwissenschaftliche Kolloquium aus dem Herbst 2015. Die Herausgeber sprechen über den heute vergessenen Schriftsteller. Sie werden begleitet von Dr. Herbert Schrittesser, der prägnante Passagen aus literarischen und autobiographischen Zeugnissen Franz Spundas zu Gehör bringt.

 

Donnerstag, 19. Oktober 2017, 18:30 Uhr

Weinhebersaal des Volksbildungskreises, Prinz-Eugen-Straße 44, 1040 Wien (freier Eintritt)

Ein Abend für Franz Spunda

Vortrag und Lesung: Dr. Christoph Fackelmann, Harald Cajka

Zwischen der alten nordmährischen Bischofsstadt Olmütz und der geheimnisvollen Mönchsrepublik auf dem Athos bewegten sich Leben und Schaffen des sudetendeutschen Schriftstellers Franz Spunda. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden seine Romane und Reisebücher gern und viel gelesen, heute ist er hingegen nur noch Kennern ein Begriff. Doch es lohnt sich, den Autor in Erinnerung zu rufen. Das versucht der neue Band mit Studien und Texten vom literaturwissenschaftlichen Standpunkt aus. Begleitend dazu wendet sich der Abend im Volksbildungskreis allgemein an die Literaturliebhaber, die an guter Literatur interessierten Leserinnen und Leser. Er wird vor allem Franz Spunda selbst in vielfältigen Proben aus dessen faszinierendem Lebenswerk zu Wort kommen lassen.

Ein neues Buch über Franz Spunda

Christoph Fackelmann, Herbert Zeman (Hg.): Franz Spunda (1890–1963). Deutschmährischer Schriftsteller, magischer Dichter, Griechenlandpilger. Studien und Texte (=Erträge Böhmisch-Mährischer Forschungen, Bd. 11). Münster-Wien: LIT 2017, 200 S., 29.90 EUR, 29.90 CHF, br., ISBN 978-3-643-50793-8.

In der Zwischenkriegszeit und bis hinein in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren die phantastischen Romane, historischen Dichtungen und Reisebücher von Franz Spunda (1890–1963) hoch angesehen und viel gelesen. Heute sind sie großteils vergessen, obwohl sie noch immer zu faszinieren verstehen. In den „Erträgen Böhmisch-Mährischer Forschung“, der Schriftenreihe der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste (München), ist nun ein Band über den aus Olmütz gebürtigen Schriftsteller erschienen, der dazu beitragen möchte, den schillernden Autor wieder in Erinnerung zu rufen. Die Herausgeber, Christoph Fackelmann und Herbert Zeman, knüpfen damit an ein kleines Symposion an, das die Österreichische Goethe-Gesellschaft gemeinsam mit dem Institut für Germanistik der Universität Wien im November 2015 veranstaltete (siehe https://weinheberforum.com/2015/10/13/deuter-seher-suchender/). Das Buch versammelt literarhistorische Studien über den Dichter, eine umfassende Zeittafel zu Leben und Werk, die auch wenig bekanntes wirkungsgeschichtliches Material zu Tage fördert, sowie – als besonderen Fund – autobiographische und programmatische Texte aus der Feder von Spunda selbst.

Franz Spunda war nach der Kindheit und Jugend in Mähren zum Studium nach Wien gekommen und übernahm hier 1918 eine Gymnasialprofessur für Deutsch, Französisch und Philosophische Propädeutik. In Wien entstanden seine dichterischen Hauptwerke und seine kulturhistorischen Schriften. Zu seiner Familie in Olmütz – den Eltern und den drei Schwestern – hielt er engen Kontakt und verbrachte bis zur Vertreibung viel Zeit in der Heimat. Der Vater war Schneidermeister für das fürsterzbischöfliche Seminar, die Mutter entstammte einer Tuchmacherfamilie in Odrau, Österreichisch-Schlesien. Franz Spundas eigene Sehnsuchtsorte waren in Griechenland und Kleinasien, wo er den Spuren der archaischen Mysterien, der byzantinischen Kultur und besonders der orthodoxen Mystik nachspürte. Viele Wochen verbrachte er in der Mönchsrepublik auf dem Athos, um unter den Eremiten und Asketen zu leben und deren erlösungshungrige Frömmigkeit kennen zu lernen. Daraus entstanden autobiographische Reiseschilderungen, die in den Büchern „Griechische Reise“ (1926, erweitert 1938 unter dem Titel „Griechenland. Fahrten zu den alten Göttern“), „Der heilige Berg Athos“ (1928) und „Legenden und Fresken vom Berg Athos“ (1962) zusammengefasst wurden (dazu der Beitrag Christoph Fackelmanns).

Dem hellenischen und dem romanisch-italienischen Kulturkreis wandten sich auch Spundas Geschichtsromane zu. Am bekanntesten wurden „Minos oder Die Geburt Europas“ (1931) und die „Westgoten-Trilogie“ (1936–1938), beides Darstellungen einer Zeitenwende. In die Vergangenheit seiner engeren Heimat kehrte „Der Herr vom Hradschin“ zurück, ein mutiger Roman über Kaiser Karl IV., worin mitten im Krieg, 1942, die Versöhnung zwischen den Deutschen und den Slawen gepredigt und eine Politik des Friedens und des Maßhaltens gepriesen wurde. Im Prag Kaiser Rudolfs II. und des Rabbis Löw spielt eine Episode des späten Romans „Verbrannt von Gottes Feuer“ (1949), der in der historischen Gestalt Giordano Brunos mit deutlich autobiographischem Unterton die „Rolle des Intellektuellen im Zeitalter der Totalitarismen“ reflektiert, war doch der Dichter selbst durch eine Phase der aktiven Sympathie für den Nationalsozialismus hindurch zu einer Haltung der „Inneren Emigration“ gelangt (Beitrag Alexander Martin Pflegers).

Ein Beitrag Herbert Schrittessers widmet sich den frühen okkult-phantastischen Romanen, in denen sich nach der Aussage des Dichters das „Chaos der Welt“ nach dem Krieg und die eigenen „seelischen Krisen“ spiegelten (u.a. „Der gelbe und der weiße Papst“, 1923, „Das ägyptische Totenbuch“, 1924, beide in Gustav Meyrinks Reihe „Romane und Bücher der Magie“ erschienen). Hinweise auf die kulturgeschichtliche Essayistik – insbesondere die Paracelsus-Studien (1925, erweitert 1941), mit denen Spundas esoterisches Weltbild zu Klarheit und Eigenständigkeit fand – enthält u.a. die Einleitung Herbert Zemans, die versucht, das geistige Profil dieses „Wanderers zwischen den Welten“ einzuschätzen.

Die kleine Franz-Spunda-Renaissance rund um den 125. Geburtstag des Dichters hat 2015 mit einem vielfältigen Sammelband der Universität Olmütz/Olomouc („Franz Spunda im Kontext“, hg. v. Lukáš Motyčka) begonnen: http://arbeitsstelle.upol.cz/de/publikace/prispevky-k-nemecke-moravske-literature/franz-spunda-im-kontext/. – Inzwischen sind auch mehrere Werke neu aufgelegt: www.edition-pleroma.de. – In dem vorliegenden Band finden diese Bemühungen eine kompakte und informative Fortsetzung. Das neue Buch ist im Buchhandel zu beziehen und kann auch direkt über den Webshop des Verlags bestellt werden (innerhalb Deutschlands und Österreichs versandkostenfrei): http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-50793-8